Interview mit Dr. Johann
Christof Ragg
Dr.
med. Ragg
Ärztlicher Direktor der
angioclinic in Berlin
Geboren wurde er 1957 in Bad Wildungen in Hessen. Er
studierte zunächst Physik mit dem Schwerpunkt
Laserphysik,
anschließend Humanmedizin und verfügt über mehr als
15 Jahre praktische Erfahrung in der
minimal-invasiven
Lasermedizin und Kathetertechniken und Lasermedizin.
Er
hat
die
moderne Venentherapie entwickelt: Venenlaser statt
chirurgischer Eingriffe. Viele Patienten bewahrt er
so vor der schmerzhaften und
langwierigen Prozedur des Krampfaderziehens. Für die
optimale Behandlung seiner
Patienten entwickelt er mit
seinem engagierten Team
komplette
Behandlungskonzepte: von der Frühdiagnostik bis zu
Pflegemitteln und
Venensportkuren. Und erspart damit seinen Patienten damit
komplizierte Eingriffe und lange
Liegezeiten. Dr.
Ragg ist Facharzt und
Naturwissenschaftler: Viele Jahre lang
forschte er auf dem Gebiet der arteriellen
Durchblutungsstörungen. Der studierte
Physiker hat selbst erfolgreich Lasersysteme
entwickelt und gebaut.
Venenurlaub - Bergwandern als Venentherapie?
Jetzt können Sie das Problem mit
ihren Krampfadern selbst an"gehen"
Interviewer: Herr Dr. Ragg, Venenurlaub?
Was habe ich mir darunter vorzustellen?
Dr. Ragg:
Bereits seit mehreren Jahren ist uns aufgefallen,
daß Patienten nach Venenbehandlungen bessere
Ergebnisse zeigen, wenn sie nach der Behandlung
regelmäßig und ausgiebig gelaufen sind. Hierbei war
Gehen, Wandern oder Walking noch etwas günstiger als
Joggen oder geschwindigkeitsorientiertes Laufen. Aus
diesen Beobachtungen ist die Idee des Venenurlaubs
entstanden.
Das
Konzept des Venenurlaubs kombiniert eine minimal
invasive Hightech-Behandlung mit einem individuellen Bewegungsprogramm. Die
medizinischen Behandlungen benötigen pro Bein nur 30 – 60 Minuten. Sie erfolgen
absolut schmerzfrei in einer besonderen örtlichen Betäubung, es gibt
keine Narben und keine der früher üblichen Komplikationen.
Sofort anschließend ist jede Art sportlicher Belastung möglich;
ja, sogar erforderlich!. Die
Therapie wird durch das individuelle Bewegungsprogramm so ergänzt,
dass eine dem Gesunden entsprechende Venenfunktion erzielt und
langfristig erhalten werden kann.
Auch für Gesunde oder bereits Behandelte, die einer Venenerkrankung
vorbeugen oder etwas für die Schönheit ihrer Beine tun wollen,
eignet sich die Venenwanderwoche mit ihren vielfältigen Pflege- und
Wellnessangeboten hervorragend.
Für
Menschen mit schwachen Venen und Krampfadern gibt es nichts Besseres
auf der Welt als eine angioclinic® Venenkur in Verbindung mit einem
Wanderurlaub.
Wenn Sie
mit einem "Venenurlaub" so gute Ergebnisse erzielen,
warum wird diese Therapieform erst jetzt angewandt?
Dr. Ragg:
Die Idee des Venenwanderns ist erst in den letzten
Jahren durch die neuen Behandlungsmethoden wie den
angioclinc® Venenlaser möglich geworden. Bei dieser
Methode gibt es keine Operationswunden mehr, ganz im
Gegensatz zum früher praktizierten "Venenstripping".
Weil es keine Wunden gibt und auch keine
Verletzungen von Nerven, Lymphbahnen oder anderen
Gefäßen, gibt es auch keinen Grund mehr zu einer
Inaktivität. In unseren Kliniken in Berlin und
München lassen wir die Patienten vom Behandlungsraum
sofort spazieren gehen; viele gehen auch den Weg
nach Hause zu Fuß und manche mit dem Fahrrad.
Warum ist
Bewegung insbesondere in der Venentherapie so
wichtig?
Dr. Ragg:
Das Gehen oder Laufen ist eine der natürlichsten
Arten der körperlichen Bewegung und die wichtigste
Aktivität für die Venen. Bei jedem Schritt werden
die Beinvenen durch die Muskulatur ausgepresst, in
Richtung des Herzens entleert und somit entlastet.
Die Entlastung der Beinvenen wirkt krankhaften
Blutstauungen in den Beinen entgegen. Ohne die
Muskelpumpe kann sich das Venenblut überhaupt nicht
bewegen, es droht Stillstand, Verklumpung des
Blutes, Thrombose. Beim Gehen werden die Beinvenen
kräftig gespült. Das ist eine hochwertige
Thrombosevorsorge.
Dann könnte ich doch auch jeden Tag - sagen
wir mal eine halbe Stunde - die Waden trainieren, z.
B. durch einen ausgedehnten Spaziergang im Park.
Wozu dann einen Venenurlaub?
Dr. Ragg:
Sicherlich ist der tägliche Spaziergang eine Wohltat
für die Venengesundheit. Bedenken Sie jedoch, daß
auf Beton und Asphalt, aber auch auf befestigten
Wegen wie im Park, jeder Auftritt der Füße relativ
hart ist. Das belastet die Venenklappen. Weiter ist
jeder Schritt praktisch gleich: das ist monoton und
von der Belastung her etwas einseitig. Im freien
Gelände, beispielweise beim Bergwandern, ist jeder
Schritt anders. Das trainiert auch seltener genutzte
Muskelgruppen.
Mein Motto
ist: Bewegung ist gut - "mehr Bewegung" ist besser -
"gezielte Bewegung" in der Gruppe ist noch besser,
das heißt optimal.
Wenn man nach einer
Venenbehandlung gezielt mehrere Tage wandert,
spezielle Venengymnastik macht und am besten noch
Wellnesselemente mit einer Spezialpflege, sowie
Lymphdrainage etc. hinzufügt, erhält man eine
besonders schnelle Wiederherstellung der gesunden
Venenfunktion und natürlich auch besonders schnell
ein optimales kosmetisches Ergebnis.
Verstehe ich Sie da richtig: die konservative
Methode des Venenstrippings löst nur das halbe
Problem?
Dr. Ragg:
Richtig. Lassen Sie es mich so erklären: Eine der
häufigsten Ursachen für Krampfadern und Besenreiser
sind - neben einer erblichen Veranlagung - ein
schwaches Bindegewebe und eine wenig ausgeprägte
Waden-muskulatur mit geschwächten Funktion der
Venenklappen. In einem 1. Schritt werden mit dem
angioclinic® Venenlaser die nicht mehr heilbaren
Venen entfernt. Durch diesen operativen Eingriff
wird jedoch nur ein Teil des Problems gelöst. Der
andere Teil des Problems - nämlich das schwache
Bindegewebe und die zu schwache Wadenmuskulatur -
sollten jedoch in einem 2. Schritt möglichst bald
und möglichst intensiv therapiert werden, um die
Erkrankung weiterer Venen zu verhindern. Am besten
ist es, direkt nach der Operation mit einem
intensiven Training zu beginnen und innerhalb
kürzester Zeit eine adäquate Wadenmuskulatur
aufzubauen. Ein tägliches halbstündiges Training
kann das nicht leisten. Nur durch ein intensives
Venentraining wie im Venenurlaub ist es möglich, die
Wadenmuskulatur schnell wieder aufzubauen und die
Muskelpumpe wieder "in Schwung zu bringen", um lang
anhaltende Behandlungsergebnisse mit einer normalen
Venenfunktion für den Patienten zu erreichen. Für
diese Therapie ist jedoch die aktive Mitwirkung des
Patienten erforderlich. Ich meine, es ist immer noch
besser das Problem der Krampfadern durch einen
eigenen Beitrag aktiv anzu"gehen", als
lediglich passiv zu ertragen.
Das
klingt überzeugend, aber intensiven Muskelaufbau der
Waden kann ich auch im Gymnastikstudio erreichen,
oder?
Dr. Ragg:
Sicherlich, das sollten Sie auch tun, aber eben nur
um die im Venenurlaub aufgebaute Muskulatur bis zum
nächsten Venenurlaub zu trainieren und möglichst zu
erhalten. Sie werden es sicherlich schon selbst
erlebt haben, dass
das
Bio-Feedback in der freien Natur mit sauberer
[Berg]Luft viel größer ist als in der Stadt oder auf
dem Laufband in einem mehr oder weniger stickigen
Gymnastikstudio. Außerdem ist - wie bereits erwähnt
- hier die Muskelbelastung doch sehr einseitig und
monoton. Die gute Luft, das Licht, der Duft von
Blumen, Bäumen, Holz oder Heu assoziiert Freiheit,
Gesundheit und Erholung. Das ist günstig für jeden
Heilungsprozess. Dazu kommt das Erlebnis des
gemeinsamen Trainierens in einer Gruppe
Gleichgesinnter. Insbesondere das Bergwandern kombiniert in
hervorragender Weise venengerechte körperliche Aktivitäten mit einem
Naturerlebnis und seinen körperlich-seelischen Wechselwirkungen.
Bergwandern ist
also das effektivste Training bei Venenproblemen?
Dr. Ragg:
Die
österreichische Höhenstudie "AMAS 2000"
beweist: Bergurlaub bringt
Gesundheitseffekte: Die Ökonomisierung des
Herz-Kreislauf-Verhaltens,
Verbesserung der Blutzucker- und
Blutfettstoffwechselsituation und damit
einhergehend die Abnahme von thrombosefördernden
Substanzen
(den sog. Fibrinogen) und vieles mehr. Der Körper
reagiert dabei schon in einer Reizhöhe von 1.400 bis
2.000 m. Diesen Gesundheitseffekt kann kein
Gymnastikstudio oder das mehr oder weniger stark
motivierte Training im heimischen Wohnzimmer
leisten.
Übrigens kann man beobachten, daß sich beim Wandern
ähnlich wie bei anderen Ausdauersportarten nach 20 -
30 Minuten ein kleines Glücksgefühl einstellt. Das
liegt an der Produktion körpereigener Botenstoffe,
der sogenannten Glückshormone. Wandern macht also
nicht nur schneller gesund, sondern auch ein wenig
glücklich. Das Erlebnis schöner Natur gemeinsam mit
Gleichgesinnten kommt dann noch hinzu - ein
Venenurlaub ist eben "Gesundheit die Spass macht".
Krampfadern
sind also - bei einer entsprechenden Mitwirkung des
Patienten - durchaus heilbar, oder muß sich der Patient auf eine lebenslange Behandlung einstellen?
Dr. Ragg: "Ja" und "Nein" - Ob Krampfadern heilbar sind, hängt
natürlich vom individuellen Befund bzw. vom Stadium
der Venenerkrankung ab. Sicherlich lassen sich in
einigen Fällen wiederholte medizinische Behandlungen
nicht vermeiden. Doch in den meisten Fällen
erreichen wir durch die kombinierte Anwendung des
angioclinic® Venenlasers und der intensiven
Venentherapie im Venenurlaubs
nahezu Beschwerdefreiheit bei unseren Patienten. Ich
empfehle mindestens 1 Woche des Jahresurlaubs für
einen aktiven Venenurlaub zu verwenden. Die im
Venenurlaub erzielten Trainingserfolge motivieren
unsere Patienten das Training zu Hause fortzuführen
und für den Venenurlaub im nächsten Jahr fit zu
sein.
Kommen Sie
im Sommer doch mit in das Löwenhotel in Schruns
[Österreich] und erfahren Sie die positiven
Wirkungen des Venenurlaubs am eigenen Leib - genauer
gesagt: an den eigenen Waden.
Das mache ich gerne.
Doch noch eine letzte Frage: Sie sprachen von einer
Behandlung mit einem Venenlaser. Das interessiert
mich jetzt doch genauer. Hört sich irgendwie
gefährlich an. Ich denke bei dem Wort "Laser" immer
an Hautlaser zur Faltenentfernung oder an Laser zur
Entfernung von Tätowierungen. Die Vorstellung, daß
das in meinen Venen geschieht macht mir doch
irgendwie Angst. Besteht nicht die Gefahr von
Verbrennungen und Narbenbildungen?
Dr. Ragg:
Vielen Dank für die Frage. Das gibt mir Gelegenheit
mit weit verbreiteten Fehlvorstellungen aufzuräumen.
Die Behandlung läuft wie folgt ab: Zunächst werden
die zu behandelnden Venen bzw. Venenabschnitte auf
der Haut markiert. Unter Ultraschallsicht und
örtlicher Betäubung wird die Vene punktiert und ein
kleiner Plastikschlauch (ein sog. Katheter) in die Vene
eingeführt.
Durch den Katheter wird eine sehr dünne lichtleitende Faser eingebracht. Der
Durchmesser dieses Lichtleiters beträgt nur ca. 1
mm. Unter Ultraschallkontrolle wird der Laser (es
handelt sich dabei um einen Diodenlaser im Bereich
von 810 - 980 nm und einer Leistung von nur 5 bis 35 Watt) aktiviert und die Wirkung kontrolliert und dosiert ausgeübt. Es treten dabei keine Schmerzen auf. Die kranke Vene verschließt sich abschnittsweise durch Schrumpfung und Blutgerinnung. Die Umgebung der Vene wird dabei nicht geschädigt, die Wärmeentwicklung überschreitet hier 40 Grad nicht.
Das Verfahren ist mit den von Ihnen genannten
Verfahren z. B. zur Entfernung von Tätowierungen
überhaupt nicht vergleichbar. Aufgrund der maximalen
Temperatur von 40 Grad ist die Gefahr von
Verbrennungen und Narbenbildungen ausgeschlossen.
Sie spüren während der Behandlung ggf. lediglich ein
leichtes Kribbeln.
Vielen Dank Herr
Dr. Ragg für das sehr informative Gespräch
Dr. med. Ragg ist Ärztlicher Direktor der
angioclinic®
Klinik am Wittenbergplatz
Bayreuther Straße 36 (nahe KaDeWe)
10789 Berlin
Telefon +49 (0)30 / 21 28 04 - 0
Fax +49 (0)30 / 21 28 04 10
E-Mail
info@angioclinic.de
Internet:
www.angioclinic.de
Portrait Dr. Ragg
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